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"Im Rahmen des operationellen Programms des Freistaates Sachsen für den EFRE in der Förderperiode 2007 bis 2013 nimmt die Stadt Neustadt in Sachsen EU- Fördermittel in Anspruch."
Eröffnung Sonderausstellung im Stadtmuseum

Am Freitag, 2. September 2011, wurde die Sonderausstellung „Uwe Peschel - Wahrheit eines Augenblicks“ eröffnet. Die Ausstellung zeigt Malerei und Grafik des Polenzer Malers Uwe Peschel. Sie ist seit 3. September 2011 im Stadtmuseum Neustadt zu sehen.
Zu dieser Ausstellung ist ein reich bebilderter Katalog erschienen, für den die Dresdener Kunsthistorikerin Dr. Jördis Lademann (im Bild links mit Uwe Peschel) nachfolgenden Beitrag verfasst hat. Der Katalog ist im Museum erhältlich. Die Ausstellung wird bis 30. Oktober 2011 gezeigt.
Uwe Peschel - Malerei und Zeichnung
Malerei und Zeichnung sind für Uwe Peschel eine wichtige Art von Kommunikation. Seine Arbeiten sind kraftvoll. Jedem Bild ist anzusehen, wie wichtig ihm seine Motive und die Auseinandersetzung mit ihnen sind. Die Strichführung ist entschieden und dennoch suchend, das Gegenüber nicht als bloßes Abbild erfassend, sondern seiner wesenseigenen Vielschichtigkeit folgend. Auch das Selbstporträt ist für Peschel, als immer Fragenden, ein unerlässliches Thema, das seine Biografie begleitet.
Ein Aquarellblatt von 1977 zeigt ihn als selbstbewussten Jugendlichen, den seine Leidenschaft für die Malerei noch vor dem Abitur auch an die Abendschule der Hochschule für Bildende Künste Dresden geführt hat. Offen, aber auch etwas skeptisch schaut er dem Kommenden entgegen, die farbliche Modulation durch feinste Tonwerte und den Verzicht auf grafische Linearität bereits mit brillanter Sicherheit lösend. In der Formataufteilung gönnt er sich hier mehr Spielraum als auf späteren Arbeiten. Das Ölbild von 1999 zeigt bereits die für ihn charakteristisch werdende Platzausnutzung bis zum oberen Bildrand, als stoße er an Grenzen, die es zu überwinden gilt. In einer Kohlezeichnung von 2004 erscheint dies noch ausgeprägter. Ein nachdenkliches, nach innen gekehrtes Gesicht stellt sich in schonungsloser Selbstbefragung den Spuren der gelebten Jahre. Alle Aufmerksamkeit konzentriert sich auf den Kopf im oberen Bilddrittel, während die übrigen Körperpartien nur andeutungsweise ausgeführt sind, als müsse über deren Agieren noch entschieden werden. Peschel zeigt sich als Sinn- und Wegsuchenden. Andere skizzierte Figuren, wie die „Schwangere“, „Steffi“ oder die in Öl gemalte „Ria“ gibt er sicher in den Raum als Dreiviertelfiguren. Da die Handzeichnung im Allgemeinen das privateste, am wenigsten auf Repräsentation bedachte Medium ist, sind hier die gestaltgebenden Intentionen des Künstlers am unmittelbarsten nachvollziehbar. Peschel arbeitet dabei rasch, korrekturlos, ohne auf die Eleganz der einzelnen Linie zu achten. Wiederholtes Bestätigen der Konturen schafft Körperlichkeit, wobei deren geringfügige Differenzierungen wie der verhaltene Atem einer sonst in Ruhe verharrenden Person, wie leise vibrierende Lebendigkeit, wirken. Bei allem Ernst, der über Peschels Arbeiten liegt, sind einige Zeichnungen, gerade die der Mädchen Maria und Paula, von subtiler Zartheit. Nirgends spiegeln sich die Ehrfurcht des Künstlers vor dem Leben und das Verantwortungsbewusstsein, das er angesichts der Schutzbedürftigkeit der Kinder empfindet, deutlicher als hier.
Uwe Peschel hat bereits als junger Künstler Anerkennung und Förderung für Arbeitsaufenthalte erfahren. Er war an Ausstellungen im In- und Ausland beteiligt. Sein künstlerisches Aufgabengebiet sieht er jedoch mehr und mehr in seiner unmittelbaren Umgebung. Neben den Menschen sind das vor allem Alltagsdinge, die er in Stillleben festhält, wie auch das abwechslungsreiche ostsächsische Bergland, in dem er aufgewachsen, und in das er, nach Lehr– und Wanderjahren, zurückgekehrt ist. Das Leben jenseits der Großstadt ist hier deutlicher noch vom natürlichen Rhythmus der Jahreszeiten geprägt. Ursprünglichkeit und Bescheidung klären den Blick für Wesentliches.
Zäh und knorzig trotzen Peschels „Apfelbaum“ und „Birken“ der rauen Jahreszeit, ebenso wie Häuser und Bauernhöfe. Den weiten Schneeflächen auf seinen Gemälden sieht man an, ob sie frisch beschneit, oder im Abtauen begriffen sind. Starre Kälte, Harsch, Matsch changieren in Weiß, Violett-, Blau- und Grüntönen, die zugleich Raum bilden. Welcher Triumph ist dann im lichten Grün der „Pferdekoppel“ zu spüren, wenn das umgebende Grau sich mit einem ersten Schleier frischer Knospen umhüllt, wie kraftvoll reflektiert der Fels im „Polenztal“ Licht und Wärme, und wie gesättigt von Sonnenglut und Reife ist die „Gelbe Landschaft“. Peschel arbeitet optisch stark reduzierend in Farben und Formen und schafft ausdrucksstarke atmosphärische Impressionen. Das Licht, das sich im satten Farbauftrag der pastosen Ölmalerei sammelt, lässt die Bilder zusätzlich leuchten.
Aber auch in Graphit- und Farbstiftzeichnungen, in Aquarell und in Linolschnitttechnik entwirft er mit Licht und Schatten, sicherem Farbgefühl und treffender Schraffur charakteristische Landschaftsstudien. Sie sprechen, wie alle seine Bilder, vom Wert einer intakten Kulturlandschaft, die die Menschen achtsam im Umgang miteinander, als auch mit den Reichtümern der Natur, geschaffen haben. Bewusst und umsichtig mit diesen unwiederbringlichen Dingen des Lebens umzugehen, fordern Uwe Peschels Arbeiten.
Dr. phil. Jördis Lademann, August 2011